Karl von Drais auf der Spur

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Die Idee des Freiherrn von Drais: Vom schwungvollen Gleiten auf Eis zur rollenden Fortbewegung mit Sitzkomfort. Das Wunder der Balance kam erst beim Testlauf als Entdeckung hinzu.

Der Genieblitz zur Erfindung der Laufmaschine hat einst Karl von Drais offensichtlich auf dem Eis ereilt. So erklärte der badische Forstmeister am 29. Juli 1817 im ‚Badwochenblatt‘ aus Baden-Baden: „Die Haupt-Idee der Erfindung ist von dem Schlittschuhfahren genommen und besteht in dem einfachen Gedanken, einen Sitz auf Rädern mit den Füßen auf dem Boden fortzustoßen.“ Die entscheidende Idee dazu entsprang der Erkenntnis, dass beim Gleiten über Eis der Bewegungsschwung bereits zwischendurch erhalten bleibt, während der Schlittschuhfahrer die Belastung von einem Bein auf das andere verlagert – und erst recht, wenn er sich während des Dahingleitens ausruht. In seiner dreiseitigen Beschreibung der Laufmaschine erläutert dies der Erfinder: „Die Schnelligkeit der Maschine gleicht auf ebenen festen Wegen fast ganz der des Schlittschuhlaufens, indem die Grundgesetze überein kommen. So schnell man nämlich im Stande ist, den Fuß einen Augenblick hinaus zu stoßen, so schnell geht es während dem Ausruhen fort.“ Als Schlußfolgerung hat der Freiherr einfach den Schwung des Dahingleitens auf Eis auf ein Dahinrollen über Land übertragen. Beides spart Energie. Die Laufmaschine ist also nichts anderes als ein Apparat, um das Schlittschuhfahren im Landbetrieb zu simulieren.

Was der Freiherr konzipiert hat, war zunächst mal eine äußerst schrullige Gehhilfe mit Sitzgelegenheit in Form eines schmalen, lenkbaren Gestells auf zwei Rädern. Sie sollte zudem den Beinen die Last des Körpers abnehmen und ihnen ermöglichen, ihre volle Kraft allein zur Vorwärtsbewegung einzusetzen. Das kraftsparende Prinzip, wonach man eine Last leichter fortbringt, wenn man sie auf Rädern bewegt statt sie zu tragen, hatte von Drais schon bei seinem vierädrigen Muskelkraftwagen von 1813 angewandt. Völlig unvorhersehbar war allerdings die Balancierfähigkeit der Zweirad-Maschine. Dies ist eine Entdeckung aus der Testphase. Und ein Glücksfall. Und eben das Glück des Tüchtigen. Ein Pferd, wie behauptet, musste ihm dazu nicht Pate stehen; und sei es ein noch so totes. Auch hat es hierfür eines Vulkanausbruchs mit Ascheregen und angeblichen Notschlachtungen nicht bedurft.

Quellen: Ausstellungskatalog „2 Räder – 200 Jahre“, Technoseum Mannheim
Faksimile S. 51, Badwochenblatt vom 29. Juli 1817, rechts oben („Schlittschuhfahren“)
Faksimile S. 54, DIE LAUFMASCHINE DES FREIHERRN KARL VON DRAIS, Titelseite letzter Absatz („Schlittschuhlaufen“)